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Die Kirchenzeitung des Bistums Aachen - Febr. 2010

„Da kommt nicht Gutes auf uns zu“

Eifel in Erwartung der Lefebvre-Benediktiner: Herbert Arens referiert über die Errungenschaften des Konzils

von Manfred Lang

„Reicheinstein – ein Meilenstein?“ fragt sich die GDG Kornelimünster/Roetgen in Erwartung der ersten Benediktinermönche der sogenannten Piusbruderschaft, die auf den seinerzeit von Papst Johannes-Paul II. exkommunizierten Erzbischof Marcel Lefebvre zurückgeht.

Mönche aus deren Abtei Bellaigue in Frankreich wollen das Gut Reichenstein bei Monschau besiedeln. Pastoralreferent Michael Reimann hatte mit Pfarrer Dr. Herbert Arens vom Bistum Aachen und Altabt Dr. Albert Altenähr OSB aus der Benediktinerabtei Kornelimünster zwei kompetente Referenten eingeladen, die in zwei aufeinander folgendenWochen im Pfarrheim Kornelimünster Stellung bezogen.

Den Anfang machte Herbert Arens mit einem Exkurs zum Zweiten Vatikanischen Konzil. „Damit Sie vor Augen haben, was auf dem Spiel steht und was wir zu verlieren haben“, machte der Priester vor vollbesetztem Auditorium deutlich. Denn die „Priesterbruderschaft St. Pius X.“, so der offizielle Name der bis Januar 2009 von der römischen Kirche abgespaltenen Organisation, übt fundamentale Kritik, an den Dekreten und Beschlüssen des von Papst Johannes XXIII. einberufenen und unter Paul VI. abgeschlossenen Konzils. Salopp gesagt habe das Konzil die Kirche „von Nickneger, Hochwürden und Unnahbarkeit“ befreit und dem königlichen Priestertum aller Christen seine urchristliche Würde als Geheimnis der Kirche zurückgegeben. Das Konzil habe der Kirchenhierarchie eine neue Kommunikationskultur verordnet und Räte auf allen Ebenen eingeführt. Es habe das urchristliche Amt des Ständigen Diakons wiederbelebt und die jungen Kirchen „in die Volljährigkeit entlassen“, so Arens. Die heilige Messe sei von der Alleinveranstaltung des rückwärts gewandten Zelebranten zum „dialogischen Prozess aller mit Gott“ geworden. Last not least hätten die Konzilväter religiöse Erkenntnis und Gottesschau auch Menschen anderer Religionen zugebilligt. Und damit „eine alte katholische Sicht wiederentdeckt“, so Pfarrer Arens, nämlich den „Traum der Einigung der Menschheit im Glauben an Gott.“
Andere Dinge seien unter die Räder gekommen, bedauerte Pfarrer Arens, so der gregorianische Gesang, der eine über 1000 Jahre alte eigene Spiritualität darstellt. Das Konzil sei begonnen, aber keineswegs vollendet, mahnte der Referent. Man müsse noch immer daran arbeiten, die Kirche „heutiger“ zu machen, wie es Papst Johannes XXIII. vorschwebte. „Es gibt noch viel zu tun“, antwortete Herbert Arens auf die Frage, ob es nicht an der Zeit sei, ein neues Konzil einzuberufen. Das zweite Vaticanum habe einen völlig anderen Verlauf genommen, als es die Vorbereitungskommission fest geplant hatte. Was die Einschätzung der meisten Gläubigen bis heute nährt, dass Gottes Geist selbst am Werk war. Eine Annahme, die den Dekreten des Konzils eine Verbindlichkeit zubilligt, vor allem Lumen Gentium, der Dogmatischen Konstitution über die Kirche, an der die Piusbrüder Anstoß nehmen.

„Stehen da wie die Hampelmänner ...“

Nach dem Referat von Herbert Arens bestand Gelegenheit zum Austausch. Dabei wurde das Dilemma offenkundig, in dem die Eifeler Christen stecken. Um welche Kirche geht es? Was sollen wir den Leuten antworten, ob sie nach Reichenstein in die Messe gehen dürften? Warum gibt der Bischof keine eindeutigen Richtlinien heraus – wir stehen da wie die Hampelmänner!
Es gab auch Stimmen, „klare Verhältnisse“ und strikte Vorgaben seien in Glaubensdingen hilfreich. „Klar“, antwortete Pfarrer Arens: „Es ist einfacher als ein verantwortetes selbstbestimmtes Leben zwischen real existenten Spannungsfeldern zu leben.“ Eine Zuhörerin bemerkte: „Wohin autoritative Strukturen führen, nämlich zu Schweigekartellen, das sieht man ja zur Zeit.“ Zumindest sie befürchtete: „Da kommt in Reichenstein nichts Gutes auf uns zu.“

 

 
 

   
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