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Pressestimmen

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Freitag, 20.8.2010
Mönche von Reichenstein luden ihre Nachbarn auf das Gut ein –
Reaktion auf Kritik des Bischofs
Tag begann zum Klosterfest ausnahmsweise etwas später

Reichenstein    Originalartikel als PDF
Um mit Freunden und Nachbarn ins Gespräch zu kommen, haben die Mönche von Reichenstein am 15. August zu einem kleinen Klosterfest eingeladen.

Es versteht sich für die neuen Bewohner von selbst, dass das Levitierte Hochamt um 10 Uhr den Höhepunkt des Tages markierte, der für sie in der Regel schon um 3.30 Uhr beginnt mit der gemeinsam gesungenen Matutin. Obwohl noch zehn Bänke von Biertischgarnituren in die Kirche gebracht wurden, konnten bei weitem nicht alle in der überfüllten Kirche einen Platz finden. Die über zweistündige Zeremonie war musikalisch umrahmt von den gregorianischen Gesängen, die nach Aussage der Mönche in ihrem Ursprung weit in das 1. Jahrtausend zurückreichen. Mit tatkräftiger Unterstützung der Feuerwehr und des Anglervereins von Kalterherberg konnte den Besuchern nach dem Hochamt Essen vom Holzkohlen-Grill angeboten werden.

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Zahlreiche Anwohner folgten der Einladung der Mönche zum Klosterfest.

Baumaßnahmen
Das Zelt, das im Kloster-Innenhof aufgestellt war, bot genügend Platz, wo man das Mittagessen einnehmen konnte. Anschließend gab es in einem Vortrag im eigens dafür vorbereiteten Informationsraum und durch Führungen die Gelegenheit, sich über die vorhandenen Gebäude und die geplanten Baumaßnahmen ein Bild zu machen. Den ganzen Nachmittag hindurch standen die Mönche für Gespräche und Fragen zur Verfügung.
Wer nun in der Erwartung kam, hier einigen griesgrämigen und menschenscheuen alten Männern zu begegnen, sah sich getäuscht. Bruder Marcel stammt aus den Niederlanden, spricht schon jetzt sehr gut Deutsch und ist jederzeit zu einem Scherz aufgelegt, der ihn zwischendurch auch mal über sich selbst lachen lässt.
Bruder Josef, mit 27 Jahren der jüngste und einzige Franzose von den drei Benediktinerbrüdern, hat in einem lustigen Streitgespräch mit seinem Oberen durchgesetzt, dass am Montag nach dem Fest genügend Zeit zur Verfügung stehen müsse, um durch das idyllische Städtchen Monschau zuwandern.
Bruder Paul aus Martinique mit schwarzer Hautfarbe zeigte durch seine Anwesenheit den internationalen Charakterdes künftigen Klosters, in dem rassistische Vorstellungen offensichtlich keinen Platz haben. Pater Bernhard als der vierte der anwesenden Mönche, stammt aus Marktoberdorf in Bayern. Er hat fünf Geschwister und wird der zukünftige Prior des Klosters Reichenstein sein. Auf die Frage angesprochen, warum der zuständige Bischof von Aachen die Klostergründung bekämpfe oder zumindest davor warne, reagiert der gebürtige Allgäuer mit trauriger Miene und beteuert, dass er die Gegnerschaft des Bischofs nicht verstehen könne, wo doch so viele Klöster schließen müssten, weil sie keinen Nachwuchs mehr hätten. Sogleich wies er aber auch darauf hin, dass Benediktinerklöster schon immer exemt gewesen seien, d.h. nicht dem Diözesanbischof unterstehen. Gleichwohl würden die Mönche, wenn sie da sein werden, jeden Tag für den Bischof beten. Das hindere sie aber nicht daran, unbeirrt an den schönen, ursprünglichen liturgischen Formen in lateinischer Sprache festzuhalten; diese könne man vergleichen mit einem alten, schönen Gebäude, das unter Denkmalschutz steht.

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Die künftigen Bewohner gingen auch auf die Kritik des Bischofs ander Klostergründung ein.

Pflege
Auch hier versuche man ja, in Dankbarkeit gegenüber den früheren Bauherren alles, was nur irgend möglich ist, in seinem ursprünglichen Zustand zu erhalten und zu pflegen. Die Verachtung durch den Bischof habe aber, so Pater Bernhard, auch etwas Gutes für ihn selbst und für die Mönche: Essei für sie Anlass, sich noch mehr in der Demut zu üben und sich nicht als etwas Besonderes oder gar etwas Besseres zu fühlen als die Menschen, die in der Welt leben.
Der Tag klang aus mit einer feierlichen Vesper, die von den Mönchen gesungen wurde. Trotz des vielen Regens den ganzen Tag hindurch war das Resümee von Bruder Marcel eindeutig: »Es war ein guterTag.«

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Aachener Zeitung
Von Peter Stollenwerk  |  27.07.2010
Südflügel macht Mönchen
große Sorgen

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Kalterherberg.  Ein riesiges Loch klafft im Südflügel, Steine und morsche Balken türmen sich, die Dachkonstruktion biegt sich leicht durch. Da hält man sich lieber in sicherer Entfernung.
So sieht es aus hinter den Kulissen von Gut Reichenstein. Wer den Innenhof der 800 Jahren Klosteranlage auf der leichten Anhöhe im Rurtal zwischen Mützenich und Kalterherberg betritt, ahnt nicht, dass hinter der Kapelle der Zahn der Zeit damit begonnen hat, die historische Gebäudesubstanz zu Fall zu bringen. Vor rund 10 Jahren brach fast die Hälfte einer Seitenwand weg.

Zuerst eine Notsicherung
Nachdem das gesamte Areal im Jahr 2008 von der Piusbruderschaft St. Pius X. erworben wurde, soll auf Gut Reichenstein ein neues Zeitalter beginnen. Für jeden sichtbar wird diese Absicht mit der Start der Bauarbeiten in der vorigen Woche. Zimmerleute aus Thüringen haben im ehemaligen Stall Position bezogen, um mit Holz aus dem Reichensteiner Wald massive Konstruktionen für Notsicherung des völlig baufälligen Südflügels zu errichten.

Erst wenn diese 90.000 Euro teure Konstruktion steht, kann das Gebäude wieder gefahrlos betreten werden. Die Sicherungsarbeiten werden etwa vier Wochen dauern, ehe dann für das Frühjahr 2011 mit den eigentlichen Ausbauarbeiten begonnen wird.

In den nächsten Wochen soll der Bauantrag eingereicht werden. Um weitere Details abzuklären, fand am Dienstag in Reichenstein eine Baubesprechung statt. Unter anderem ging es darum, die Frage des Brandschutzes (hier will man sich des nahegelegenen Weihers bedienen) abzuklären, wie Projektleiter Pater Peter Lang von der Piusbruderschaft am Dienstag vor Ort erläuterte.

Der Südflügel des Klosters Reichenstein machte den zum Einzug bereit stehenden Mönchen aus dem französischen Kloster Bellaique derzeit die größten Sorgen, soll dieser Bereich doch einmal das Zentrum ihrer Aktivitäten bilden. An den Südflügel sollen eine Sakristei und der Kreuzgang angebaut werden. Von beiden Gebäuden wird es dann einen Zugang zur Kapelle geben, die auch weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben wird.

Im Obergeschoss des Südflügels sollen dann die Zellen für die Mönche eingerichtet werden, darunter finden sich später einmal Speiseraum, Küche und Vorratsräume. Wenn alles planmäßig läuft, sollen Ende 2011 die ersten fünf bis sechs Mönche in die Eifel kommen. Ausgelegt werden soll das Kloster aber für 25 bis 30 Mönche.

Vorratsräume spielen für neue Besitzer des Klosters Reichenstein im übrigen eine wichtige Rolle, denn die Mönche möchte soweit es geht, unabhängig von der Außenwelt leben. So sehen die weiteren Pläne auch vor, die Stall- und Wirtschaftsgebäude als Werkstatt- und Produktionsgebäude zu nutzen. Keineswegs aber, betonte Pater Lang, möchte sich das Kloster der Öffentlichkeit entziehen, im Gegenteil: Es hat vorgesehen, Gästezimmer einzurichten für Menschen, die das Klosterleben einmal näher kennen lernen möchten, außerdem ist die Bevölkerung am 15. August zum Patrozinium eingeladen.

Dass die Öffentlichkeit teilweise mit Skepsis die Veränderungen auf Gut Reichenstein beobachtet, ist auch Pater Lang nicht entgangen, doch möchte er die Gemüter beruhigen: «Die Mönche möchten nur den ganz normalen Glauben weiterleben.»

Der «ganz normale Glaube» bedeutet aus der Sicht der Piusbruderschaft die Verpflichtung gegenüber dem lateinischen Ritus der heiligen Messe. Die 1970 gegründete Bruderschaft gehört zu den stark traditionalistischen Kräften in der katholischen Kirche. Nach der Exkommunizierung ihres geistigen Führers, Erzbischof Marcel Lefebvre im Jahr 1988, hat Papst Benedikt XVI. vier von Lefebvre geweihte Bischöfe der konservativen Bruderschaft in diesem Jahr rehabilitiert.

 

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Presse

 

Nachfolgend dokumentieren wir einige gemischte Pressestimmen zu unserer Klostergründung. Das Urteil möchten wir Ihnen überlassen.

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Die Aachener Zeitung schrieb über Gut Reichenstein am 26. Februar 2010 unter der Überschrift:
Mönche im Wettlauf mit dem Verfall

Monschau. Der Anblick ist erschütternd: Ein Riesenloch reißt die Fassade des Südflügels von Reichenstein auf. Spuren des Verfalls: Wo einmal Benediktinermönche aus dem französischen Kloster Bellaigue traditionellen Formen gemäß ihr frommes, zurückgezogenes Leben führen wollen, durchziehen breite Risse die Fassade. 

Kein Wunder, dass für Pater Peter Lang von der Priesterbruderschaft St. Pius X. der Wiederaufbau des Südflügels vornean steht. Unmissverständlich betont der Priester heraus, wie wichtig die Sanierung ist: «Das muss klappen - sonst kommen die Mönche nicht.»

Lang, der vom deutschen Distriktoberen der Bruderschaft, Pater Franz Schmidberger, mit der Vorbereitung der Klostergründung beauftragt worden ist, trifft seine Feststellung nicht ohne Grund. Zum einen soll der Südflügel im ersten Stock die Zellen der Mönche aufnehmen. Zum anderen soll der Trakt zusammen mit Kreuzgang und Kirche das Herz des Ordenshauses bilden. Kosten für die Notsicherung: rund 67.000 Euro.

Gemäß Bescheid der Kölner Bezirksregierung können die Reichensteiner 2010 für die Sanierung von Süd- und Westflügel auf Zuschüsse in Höhe von 11.600 Euro rechnen. Für das folgende Jahre wurden noch einmal 46.400 Euro in Aussicht gestellt. Für den Rest der Kosten sind Pater Lang und die Mönche auf Spenden angewiesen.

Konrad Fischer, Architekt und Bauingenieur aus Hochstadt in Oberfranken, begleitet die Rettung von Reichenstein als Experte. In seinem Gutachten spricht er eine klare Sprache: «Die Ostfassade ist im mittleren Bereich von Geländeoberfläche bis zur Traufe auf einer Länge von neun Metern eingestürzt.» Und weiter: «Die vorhandenen Notsicherungen sind nicht mehr tragfähig.»

Fachmann Fischer läutet die Alarmglocken: «Es ist eine schnellstmögliche Sicherung der Außenwand erforderlich, da bei einem weiteren Einsturz auch das Dach an Tragfähigkeit verliert und seinerseits einzustürzen droht.» Daneben mahnt Fischer für den Westflügel Handlungsbedarf an, denn: «Eindringendes Wasser hat die Dachschalung bereits vollständig zerstört.»

Die Freunde von Reichenstein kann das jedoch nicht niederdrücken. Mit Optimismus und Gottvertrauen werben sie um Spenden - und schmieden schon weitere Pläne. Im Torgebäude soll, so Pater Peter Lang im Gespräch, im Frühling oder Sommer ein «Info-Point» eingerichtet werden, in dem Wanderer und Spaziergänger mit Wissenswertem rund um das künftige Kloster, das benediktinische Mönchtum und seine kulturellen Zusammenhänge versorgt werden.

Zudem wurde vor kurzer Zeit mit dem Augsburger Stefan Kirsner ein Hausmeister angestellt, der (zusammen mit seinem Schäferhund «Moni») in Reichenstein nach dem Rechten sieht und Passanten als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Damit noch nicht genug: Die Website http://www.kloster-reichenstein.de nähert sich der Fertigstellung und soll in zwei bis drei Wochen ins Netz gehen.

Die Kritik, die das Projekt auf Reichenstein weckt, ist Pater Lang und seinen Mitstreitern durchaus bewusst. Die Rolle der Priesterbruderschaft St. Pius X. sieht er indes ganz anders als die Gegner: «Wir wollen nur helfen, dass hier etwas entsteht - und dann ziehen wir uns komplett raus.» Im Übrigen sei die geplante Gründung «keine Provokation des Bischofs, sondern ein Kloster, in dem die Messe heute noch so gefeiert wird, wie der heilige Benedikt sie gefeiert hat.»

(Christoph Hahn)

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Leserbrief in der Aachener Zeitung, Ausgabe Eifel vom 5.3. 2010

Ruf nach staatlicher Hilfe allein wird kaum genügen

Norbert Jansen aus Kalterherberg schreibt zu den Kosten der Restaurierung des Klosters Reichenstein sowie der Evangelischen Kirche Monschau.

Kürzlich beschäftigte sich die Tagespresse dankenswerterweise ausführlich in mehreren Artikeln mit dem ebenso dringenden wie kostenintensiven Restaurierungsarbeiten an zwei kirchlichen Kulturdenkmälern, die für den Bereich der Nordeifel und dabei ins besondere für das Monschauer Land sicherlich von großer Bedeutung sind und für deren Gelingen alles erdenklich Mögliche getan werden sollte.
Es geht um die Wiederherstellung der historischen Klosteranlage von Kloster Reichenstein und die notwendigen Dachsanierungsarbeiten der Monschauer evangelischen Pfarrkirche. Beiden gemeinsam ist sowohl ihre überragende kultur- und kirchenhistorische Bedeutung für das Monschauer Land wie die Bewältigung der immensen Kosten, die den jeweiligen Träger allein sicher überfordern würden und deshalb die Hilfe der Öffentlichkeit wie der öffentlichen Träger Kommune, Land und Bund zwingend erfordern.
Was Kloster Reichenstein angeht schreibt das Benediktinerkloster Belleaigue, der zukünftige Träger: „Dabei haben wir es im Vorfeld als einen besonderen Wink der göttlichen Vorsehung empfunden, dass unser Vorhaben auf sämtlichen behördlichen Ebenen von Anfang an sehr positiv aufgenommen wurde.“
Das Rheinische Amt für Denkmalpflege bestätigt in einem Gutachten vom März 2009: „Die angedachte Nutzung [als Benediktinerkloster] stellt aus denkmalpflegerischer Sicht einen Idealfall dar.“ Aber es wurde von der Behörde auch festgestellt: „Die ausgewiesenen Sanierungsmaßnahmen sind von hoher Dringlichkeit.“
Diese Aussage wurde von der zuständigen Landeskonservatorin des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege, Frau Dr. Herzog, bei der Schlüsselübergabe im Jahr 2009 ausdrücklich in ihrem von der Festversammlung gehaltenen Vortrag bestätigt.
Was die Dachsanierung der Evangelischen Pfarrkirche in Monschau angeht, zitiert die Presse die Monschauer Bürgermeisterin Margareta Ritter, die zugesagt hat, in Köln und in Düsseldorf und anderswo Türen zu öffnen, um an die dortigen finanziellen Fleischtöpfe zu kommen.
Bei soviel zugesagten Wohlwollen bleibt eigentlich nur zu hoffen, dass den Worten jetzt auch Taten folgen, allerdings wird der Ruf nach staatlicher Hilfe allein kaum genügen.
Es wird sich zeigen müssen, welche privaten Opfer die Bevölkerung des Monschauer Landes für die Rettung der beiden Kulturgüter weiterhin zu bringen bereit ist.



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Aachener Zeitung vom 12.03.2010

Die Traditionalisten leben in Zukunft
«direkt vor der Haustür»

Nordeifel. In der Nähe von Kalterherberg liegt das Kloster Reichenstein, ein ehemaliges Prämonstratenserkloster aus dem 12. Jahrhundert. Nach der Auflösung in Folge der Säkularisierung kam das Gut Reichenstein in private Hände.

Im September 2008 übernahm das der Priesterbruderschaft St. Pius X. verbundene französische Kloster Notre-Dame de Bellaigue das Gut Reichenstein, um dort ein Kloster nach der Benediktsregel einzurichten. Am 16. Mai 2009 wurde die Klosterkirche vom Prior der Gründerabtei Bellaigue neu eingesegnet.

Die Bruderschaft kündigte die Gründung eines «der Tradition der Kirche verpflichteten neuen Benediktinerklosters im inzwischen neuheidnischen Deutschland» an. Voraussichtlich noch ab diesem Jahr sollen dort 25 Mitglieder der Priesterbruderschaft leben. Vorher wird die Anlage für mehrere Millionen Euro restauriert und erweitert.

Von Lefebvre gegründet

Die Diözese Aachen hatte bereits beim Erwerb des Klosters 30 Kilometer südlich von Aachen durch die Priesterbruderschaft Ende 2007 Kritik geübt. Die Katholiken sollten wissen, «dass die Mönche keine offiziellen Angebote der römisch-katholischen Kirche machen», so Bistumssprecher Franz Kretschmann.

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. (Piusbruderschaft) ist eine Priestervereinigung katholischer Traditionalisten. Sie wurde 1970 von Erzbischof Marcel Lefebvre gegründet, um an Riten und Lehren der römisch-katholischen Kirche festzuhalten, die das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) aus seiner Sicht aufgegeben hatte.

Sie lehnt Konzilsbeschlüsse wie die Öffnung zur Ökumene, Religionsfreiheit, Kollegialität der Bischöfe, Anerkennung des Judentums sowie die auf Anordnung des Konzils durchgeführte Liturgiereform als «modernistisch» ab und strebt eine «Erneuerung des Priestertums» und «Verbreitung und Wiederherstellung der authentischen katholischen Lehre» an.

Seit 1975 steht die Piusbruderschaft außerhalb der katholischen Kirche. Sie arbeitet bis heute ohne offizielle Erlaubnis der Kirche. Im Jahr 1988 führten illegale Bischofsweihen zur Exkommunikation der vier geweihten und zwei weihenden Bischöfe.

Neu in die Medien und ins Gespräch gekommen ist die Piusbruderschaft durch die Aufhebung der Exkommunikation der vier Geweihten am 21. Januar 2009 durch Papst Benedikt XVI.

«Herausforderung»

«Direkt vor der Haustür unserer GdG steht also ab diesem Jahr eine Gemeinschaft, die wichtige Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils ablehnt und bekämpft», schreibt die Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Kornelimünster/Roetgen: «Dieser Herausforderung müssen wir uns stellen!»

Die GdG Kornelimünster/Roetgen bietet dazu zwei Veranstaltungen an:

- Montag, 15. März, um 20 Uhr im Pfarrheim Kornelimünster: «Die Kirche schaut nach vorne!» Vortrag und Gespräch zu Zielen des 2. Vatikanischen Konzils mit Dr. Herbert Arens vom Bistum Aachen.

- Montag, 22. März, um 20 Uhr im Pfarrheim Kornelimünster: «Wohin schauen die Pius-Brüder?» Vortrag und Gespräch zu den Zielen der Pius-Bruderschaft mit Pater Dr. Albert Altenähr


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Die Kirchenzeitung des Bistums Aachen

„Da kommt nicht Gutes auf uns zu“

Eifel in Erwartung der Lefebvre-Benediktiner: Herbert Arens referiert über die Errungenschaften des Konzils

von Manfred Lang

„Reicheinstein – ein Meilenstein?“ fragt sich die GDG Kornelimünster/Roetgen in Erwartung der ersten Benediktinermönche der sogenannten Piusbruderschaft, die auf den seinerzeit von Papst Johannes-Paul II. exkommunizierten Erzbischof Marcel Lefebvre zurückgeht.

Mönche aus deren Abtei Bellaigue in Frankreich wollen das Gut Reichenstein bei Monschau besiedeln. Pastoralreferent Michael Reimann hatte mit Pfarrer Dr. Herbert Arens vom Bistum Aachen und Altabt Dr. Albert Altenähr OSB aus der Benediktinerabtei Kornelimünster zwei kompetente Referenten eingeladen, die in zwei aufeinander folgendenWochen im Pfarrheim Kornelimünster Stellung bezogen.

Den Anfang machte Herbert Arens mit einem Exkurs zum Zweiten Vatikanischen Konzil. „Damit Sie vor Augen haben, was auf dem Spiel steht und was wir zu verlieren haben“, machte der Priester vor vollbesetztem Auditorium deutlich. Denn die „Priesterbruderschaft St. Pius X.“, so der offizielle Name der bis Januar 2009 von der römischen Kirche abgespaltenen Organisation, übt fundamentale Kritik, an den Dekreten und Beschlüssen des von Papst Johannes XXIII. einberufenen und unter Paul VI. abgeschlossenen Konzils. Salopp gesagt habe das Konzil die Kirche „von Nickneger, Hochwürden und Unnahbarkeit“ befreit und dem königlichen Priestertum aller Christen seine urchristliche Würde als Geheimnis der Kirche zurückgegeben. Das Konzil habe der Kirchenhierarchie eine neue Kommunikationskultur verordnet und Räte auf allen Ebenen eingeführt. Es habe das urchristliche Amt des Ständigen Diakons wiederbelebt und die jungen Kirchen „in die Volljährigkeit entlassen“, so Arens. Die heilige Messe sei von der Alleinveranstaltung des rückwärts gewandten Zelebranten zum „dialogischen Prozess aller mit Gott“ geworden. Last not least hätten die Konzilväter religiöse Erkenntnis und Gottesschau auch Menschen anderer Religionen zugebilligt. Und damit „eine alte katholische Sicht wiederentdeckt“, so Pfarrer Arens, nämlich den „Traum der Einigung der Menschheit im Glauben an Gott.“
Andere Dinge seien unter die Räder gekommen, bedauerte Pfarrer Arens, so der gregorianische Gesang, der eine über 1000 Jahre alte eigene Spiritualität darstellt. Das Konzil sei begonnen, aber keineswegs vollendet, mahnte der Referent. Man müsse noch immer daran arbeiten, die Kirche „heutiger“ zu machen, wie es Papst Johannes XXIII. vorschwebte. „Es gibt noch viel zu tun“, antwortete Herbert Arens auf die Frage, ob es nicht an der Zeit sei, ein neues Konzil einzuberufen. Das zweite Vaticanum habe einen völlig anderen Verlauf genommen, als es die Vorbereitungskommission fest geplant hatte. Was die Einschätzung der meisten Gläubigen bis heute nährt, dass Gottes Geist selbst am Werk war. Eine Annahme, die den Dekreten des Konzils eine Verbindlichkeit zubilligt, vor allem Lumen Gentium, der Dogmatischen Konstitution über die Kirche, an der die Piusbrüder Anstoß nehmen.

„Stehen da wie die Hampelmänner ...“

Nach dem Referat von Herbert Arens bestand Gelegenheit zum Austausch. Dabei wurde das Dilemma offenkundig, in dem die Eifeler Christen stecken. Um welche Kirche geht es? Was sollen wir den Leuten antworten, ob sie nach Reichenstein in die Messe gehen dürften? Warum gibt der Bischof keine eindeutigen Richtlinien heraus – wir stehen da wie die Hampelmänner!
Es gab auch Stimmen, „klare Verhältnisse“ und strikte Vorgaben seien in Glaubensdingen hilfreich. „Klar“, antwortete Pfarrer Arens: „Es ist einfacher als ein verantwortetes selbstbestimmtes Leben zwischen real existenten Spannungsfeldern zu leben.“ Eine Zuhörerin bemerkte: „Wohin autoritative Strukturen führen, nämlich zu Schweigekartellen, das sieht man ja zur Zeit.“ Zumindest sie befürchtete: „Da kommt in Reichenstein nichts Gutes auf uns zu.“

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Leserbrief in der Aachener Zeitung vom 29.03.2010

Es geht um die überzeitlichen
Werte des christlichen Abendlandes

In dem Beitrag "Traditionalisten leben in Zukunft 'direkt vor der Haustür'"(AZ vom 13.März, S.21) wurde für den nächsten Montag von der GdG Kornelimünster ein Vortrag angekündigt, der sich mit der geplanten benediktinischen Klostergründung auf Gut Reichenstein befaßt. Eine Stellungnahme des momentan für die Klosterkirche Reichenstein zuständigen Pater der Priesterbruderschaft St. Pius X.

Maelmann  
P.Mählmann  

Es ist grundsätzlich zu begrüßen, daß das seltene Ereignis einer Klostergründung ein öffentliches Thema ist, umso mehr, als wir im Bistum Aachen schmerzlich miterleben müssen, wie so manches Kloster mangels Nachwuchs geschlossen wird. Insofern wäre es eine lohnenswerte Frage, die vielleicht am kommenden Montag abend auch eine Erörterung wert wäre, warum gerade die der katholischen Tradition treu gebliebenen Klöster über Nachwuchsmangel nicht klagen können. Diese Tatsache wird das zukünftige Gesicht der Kirche prägen. Bellaigue ist beispielhaft: 2001 wurde mit 4 Mönchen begonnen. Jetzt sind es 25, die sich in einem zurückgezogenen Leben von Arbeit und Gebet ganz dem Dienst Gottes weihen. Sie leben nach der ursprünglichen Regel des hl.Benedikt und mit einer Liturgie, die die 2000jährige Tradition der Kirche aufleuchten läßt.
Die Absicht hinter der Klostergründung? - Man kann es mit den Worten unseres Bundespräsidenten, Dr. Köhler, beim Mainzer Domjubiläum kurz und bündig sagen: "Wir wollen Zukunft, die Orientierung aus der Herkunft gewinnt... Es geht darum, daß der Geist und die Haltung, aus dem die alten Werke entstanden, lebendig bleiben!" - Das ist es: Es geht um die überzeitlichen Werte, die Orientierung bieten: die Werte des christlichen Abendlandes, aus deren Geist heraus die Dome und Klöster unseres Landes entstanden sind. Diesen Geist für die nächste Generation lebendig zu halten, ist der größte Dienst, den eine junge Ordensgemeinschaft in alter Tradition der Gegenwart leisten kann!
Die Liebe zur katholischen Kirche kann man den kommenden Mönchen jedenfalls nicht absprechen: Ihr Prior, Dom Angelus, auf den die Entscheidung zur Klostergründung auf Gut Reichenstein zurückgeht und der mittlerweile an Krebs verstorben ist, hat sein Sterben für den Hl.Vater Papst Benedikt aufgeopfert. Das ist der kirchliche Geist, der auf Gut Reichenstein einziehen soll: der Geist des stillen Betens und Opferns für die Kirche!
Meinerseits hoffe ich, daß der Vortrag am kommenden Montag noch kein Schlußpunkt ist. Besser als übereinander zu reden, ist es miteinander zu sprechen. So jedenfalls ist es der ausdrückliche Wunsch der Benediktiner von Bellaigue. Sie werden sich und ihre Gründungspläne ab dem 1.April öffentlich ausführlich vorstellen auf www.kloster-reichenstein.de
Dem Vortrag wünsche ich eine zahlreiche Zuhörerschaft.

Pater Andreas Mählmann FSSPX
Gut Reichenstein, Monschau

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