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Die Zeitumstände:
Der Niedergang des Ordenslebens nach Vatikanum II

 
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Die Profanierung von Klöstern und Klosterkirchen ist heute keine Seltenheit mehr. Beispiel: Klosterkirche St.Alfons in Aachen. 2005 Umfunktionierung zu einem Bürogebäude. Bild: Fotographie Landes, Dortmund.

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Nach dem letzten Vatikanischen Konzil (1962-1965) hat das klösterliche Leben schwer gelitten. – Auftrag der Ordensgemeinschaften sowie der ganzen Kirche ist es eigentlich, die Welt mit ihrem Geist zu durchdringen wie der Sauerteig, von dem der Herr im Evangelium spricht:

"Womit soll ich das Gottesreich (=die Kirche) vergleichen? Es gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Maß Mehl mengte (=die Welt), bis das Ganze durchsäuert war."
Lukas 13,20

Stattdessen hat nach dem Konzil der liberale Geist der Welt weite Teile der Kirche und auch die meisten Ordensgemeinschaften durchsäuert. Das war der Beginn ihrer Profanierung und ihres Niedergangs: Ordensregeln wurden umgeschrieben, Freiheiten und Neuerungen eingeführt, die nicht mit dem Geist des Gebets und des Gemeinschaftslebens in Einklang standen. Religiose legten ihre Ordenstrachten ab, Zehntausende verleugneten ihre Gelübde und verließen die Klöster, um zu heiraten, der Fernseher nahm Einzug hinter Klostermauern. Die Disziplin löste sich in erschreckendem Maße auf.

Die Vermenschlichung der Liturgie durch die 1969 eingeführte 'Neue Messordnung', tat ihr übriges, um den Geist der Anbetung Unseres Herrn im allerheiligsten Altarsakrament, Zentrum und Mittelpunkt jedes kontemplativen Lebens, zu ersticken.

In so gut wie allen traditionellen Ordensgemeinschaften haben sich daraufhin die Neueintritte nachweislich um ca. 90% und mehr verringert, wie ein Zahlenabgleich der studierenden Seminaristen der einzelnen Orden zeigt:

Anzahl Seminaristen in der Ausbildung (USA) – Diese Zahlen sind beispielhaft auch für Europa
Jesuiten 3559 (1965) 389 (2000) = Rückgang um 89,1 %
Franziskaner 2251 (1965) 60 (2000) = Rückgang um 97,3%
Benediktiner 1541 (1965) 109 (2000) = Rückgang um 92,9%
Redemptoristen 1128 (1965) 24 (2000) = Rückgang um 97,9%
Dominikaner 343 (1965) 38 (2000) = Rückgang um 88,9%
Passionisten 574 (1965) 5 (2000) = Rückgang um 99,1%
Augustiner 483 (1965) 14 (2000) = Rückgang um 97,1 %
Kapuziner 440 (1965) 39 (2000) = Rückgang um 91,1%
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Quelle: Index of Leading Catholic Indicators, The Church Since Vatican II,
Kenneth C. Jones, 2003

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Diesem unguten Fluß der Dinge haben sich jedoch einige wenige Klöster widersetzt. Aus ihnen sind neue Gründungen erblüht – mit dem Ideal, das Ordensleben zunächst im Kleinen wieder zu erneuern. Eine solche Gründung soll auch auf Gut Reichenstein entstehen. Das stetige Wachsen dieser Konvente zeigt, daß dieser Weg "Zurück zu den Wurzeln" zukunftsträchtig ist: Ein Baum, der gute Wurzeln hat, kann sich gesund entfalten, Frucht bringen und den Stürmen standhalten.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie es zur Gründung unserer vorgenannten Benediktinerklöster von Santa Cruz, Bellaigue und Perdechat gekommen ist.